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Geschichte

Eine Gemeinde im Schatten des großen Geschehens
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Geschichte der Gemeinde Wolpertswende

(mit ihren Teilorten Mochenwangen, Niedersweiler, Segelbach, Vorsee,

Haller, Bruggen, Moosehren, Hatzenturm, Steinhausen)

Die Siedlungsgeschichte der Gemeinde reicht über 5000 Jahre zurück. Jungsteinzeitliche Pfahlbauern hausten am Schreckensee, westlich von Wolpertswende. Etwa um 500 vor Christus nahmen die Kelten unser Land in Besitz, hinterließen jedoch in der Gemeinde selbst keine sichtbaren Spuren. Römische Siedler erbauten um 100 nach Christus bei Steinhausen einen Gutshof, in dessen Friedhof eine Grabplatte mit den eingemeißelten Namen der ersten bekannten Bewohner des Schussentals gefunden wurde. Um 260 vertrieben die bis zum Bodensee vorstoßenden Allemannen die Römer aus Oberschwaben. Nur zögernd besiedelten sie unsere Gegend. Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes innerhalb der Gemeinde vom Jahr 809 betrifft den heutigen Weiler Segelbach. 

934 tauscht der hl. Konrad, Bischof von Konstanz, ein Welfe, mit seinem eigenem Bruder Güter, darunter Wolpertswende, gegen andere Besitzungen. Vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts errichteten welfische Ministeriale die Feste Hatzenturm. Ihr aus mächtigen Gesteinsbrocken geschichteter Turm gehört zu den ältesten noch erhaltenen Burgbauten unseres Landes.

Um 1200 gelangten die Herren von Fronhofen – sie nannten sich später von Königsegg – in den Besitz der Herrschaft Wolpertswende – Hatzenturm, die sie zwischen 1363 und 1419 an das Heilig Geist Spital zu Ravensburg mit allen Rechten verkauften. 1561 erwarb das Spital noch Teile von Mochenwangen und die Gerichtsbarkeit über diesen Ort. 1810 kam die Stadt Ravensburg mit ihrem gesamten Gebiet, darunter Wolpertswende – Mochenwangen, an das Land Württemberg. Der 1826 der Gemeinde eingegliederte und ursprünglich dem Kloster Weingarten zugehörende Weiler Vorsee wird erstmals 1257 urkundlich erwähnt.

Die aus Bauern und kleinen Handwerkern bestehende Spitalherrschaft Wolpertswende – Mochenwangen hatte unter den vielen Kriegen bis zur napoleonischen Zeit schwer zu leiden. Nur wenige alte Gebäude sind heute noch erhalten, darunter die romanische Bestandteile einschließende katholische Kirche und die Gangolfskapelle, die über dem gleichnamigen Brunnen um 1705 errichtet wurde. Ein großer Teil der Bevölkerung war sehr arm. Die Höfe der Kleinbauern, die Betriebe der Handwerker und die Verdienste der zahlreichen Tagelöhner reichten vielfach zur Deckung des Existenzminimums nicht aus. Erst als 1868 die Papierfabrik Mochenwangen gegründet wurde – sie umfaßt heute rund 250 Betriebsangehörige – und eine Anzahl leistungsfähiger Handwerksbetriebe entstanden, änderte sich langsam dieser Zustand. Die Ansiedlung des Industriebetriebes sowie die verkehrsmäßige Erschließung des gesamten Schussentales durch den Bau der Eisenbahn hatte ein enormes Anwachsen der Bevölkerungszahl vor allem im Teilort Mochenwangen zur Folge. Dadurch wurde ein großzügiger Neubau an schulischen und weiteren öffentlichen Einrichtungen erforderlich.

Die nahezu ungestörte Landschaft bildet mit dem großen Mochenwanger Wald, dem Vorsee und Schreckensee und mit den Naturschutzgebieten Dornach- und Dolpenried ein abwechslungsreiches Erholungsgebiet.

Wolpertswende eine Gemeinde im Schatten des großen Geschehens 

Mit dieser Geschichte von Wolpertswende wird Neuland betreten, denn es gibt im weiten Umkreis keine zweite Gemeinde, für die eine ähnlich ausführliche, wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Gesamtdarstellung ihrer Vergangenheit vorliegt. Der Autor hat in jahrelanger mühevoller Archivarbeit alle einschlägigen Quellen gesichtet und ausgewertet.

Neben Werden und Wandel der beiden jahrhundertelang dem Ravensburger Heilig-Geist-Spital unterstehenden Dörfer Wolpertswende und Mochenwangen wird auch die Geschichte der zahlreichen zum Gemeindegebiet gehördenden Weiler und Einzelhöfe dargestellt, wobei der zeitliche Rahmen von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart reicht. So ist ein farbiges, detailgetreues Portrait einer ländlichen oberschwäbischen Gemeinde entstanden.

Das politische Geschehen, die “Herrschaftsgeschichte” (Verfassung, Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Kriege), wird ebenso berücksichtigt wie die kulturelle, kirchliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Manche Erkenntnisse gerade in diesem Bereich sind von so grundsätzlicher Natur, dass sie wegweisend für künftige Arbeiten zur Geschichte des ländlichen Raumes in Oberchwaben werden dürften.

Das Werk von Dr. Dieterich Walcher ist mehr als nur ein Lesebuch für die einheimische Bevölkerung, welches das Geschichts- und Heimatbewusstsein zu stärken vermag. Es ist eine exemplarische landeskundliche Darstellung von wissenschaftlichem Rang.

Das Buch ist beim Bürgermeisteramt Wolpertswende erhältlich (Preis: 15,00 €)